Logo Vorarlberger.net



Führung in der Otto-Wagner-Kirche 2008

Am Samstag, 26. April 2008, sind knapp 80 Mitglieder und Freunde des Vereins der Vorarlberger in Wien zur Mittagszeit auf die Baumgartner Höhe gekommen, um sich das vor 2 Jahren neu renovierte Juwel des Wiener Jugendstils genauer anzusehen. Wieder einmal hat es sich gezeigt, dass innerhalb der Wiener Stadtgrenzen ein kultureller Schatz vorhanden ist, dessen Schönheit und künstlerische Bedeutung vielen noch nicht bewusst war.

Die gesamte Anlage der Krankenanstalt auf der Baumgartner Höhe war vor gut 100 Jahren im damaligen Niederösterreich gelegen und galt in dieser Zeit nicht nur als großzügige Einrichtung für psychisch Kranke. Dass die Anhöhe in den ersten Jahren des Bestehens der Krankenhausanlage im Volksmund auch Monte Lemoni oder Lemoniberg genannt wurde ist auf das Schimmern der vergolde- ten Kirchenkuppel des Otto-Wagner-Baus zurückzuführen, denn von einiger Entfernung gleicht die Kuppel einer Zitrone.

Kustos Paul KEIBLINGER hat mit seinen Ausführungen und Erklärungen die Zuhörer fasziniert, er hat auch in bester und profunder Art die Entstehungsgeschichte der Pavillon-Anlage, der Sondereinrich- tungen wie Jugendstiltheater und Kirche zum Hl. Leopold am höchsten Punkt der Anlage am Galitzinberg skizziert. Ganz besonders ist sein Detailwissen über Originalpläne, Hintergründe und Kooperationen von höchstrangigen Künstlern beim Kirchenbau 1904 - 1907 hervorzuheben, hat er doch mit unendlichem Nachdruck, die Renovierung von Anfang an betrieben und begleitet. Vor 2 Jahren durfte er das Ende der Gesamtrenovierung dieses Meisterwerkes feiern. Die Kirche ist in seiner Gesamtheit ein vollkommenes Beispiel des Jugendstils, von der Grundrissgestaltung über die Fassade bis zum Kircheninnern. Der Architekt Otto Wagner hat größten Wert auch auf alle Details der Inneneinrichtung aus den Wiener Werkstätten gelegt und mit Nachdruck daran festgehalten, dass alle Einzelteile und liturgischen Gegenstände in einheitlichem Stil gehalten und ausgeführt wurden. Das besondere Merkmal der Periode mit der Verwendung von nur 4 Baustoffen - Stein, Holz, Eisen und Glas - ist bei diesem Bau in Vollendung durchgehalten. In der Kirche gibt es zwar keine gemalten Bilder und Fresken dennoch sind viele Illustrationen (z. B. die Originalfenster von Koloman Moser oder das große Altarbild) vorhanden. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass Otto Wagner bei den Planungen Rat und Meinungen der Ärzte in seine Überlegungen einfließen ließ. Erst durch die Erklärungen bei unserer Führung ist den Teilnehmern bei Gestaltung und Interieur die Zweckmäßigkeit und die Rücksicht- nahme auf die besonderen Gegebenheiten und Umstände im Sinne der Anstaltsinsassen bewusst worden.

Der große Architekt Otto Wagner hat mit diesem Kirchenbau den damals Herrschenden - deren Vorliebe galt den maria-theresianischen prunkvollen barocken Kirchen - zwar nicht imponiert, im Gegenteil auch bei der Eröffnung der Kirche im Jahr 1907 ist deren Aversion gegen diesen neuen, schlichten und auf Zweckmäßigkeit ausgerichteten Stil nicht geringer geworden. Bei diesem Anlass hat Otto Wagner seinen Baustil gegenüber Erzherzog Ferdinand verteidigt, aber nur berufliche Nachteile geerntet.

Natürlich musste dieses Erlebnis mit den tiefen Eindrücken von diesem Baujuwel besprochen werden. Zu diesem Zweck waren im nahe gelegenen Restaurant zur Baumgartner Höhe schon Tische vorbestellt. Dank guter Organisation und gezielter Suche nach geeigneten Objekten von weniger stark frequentierten kulturellen Schätzen in Wien und Umgebung wird dieser Nachmittag bei allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Obmann Dr. Andreas KÖB, die Organisatoren Horst RUPP, Florian THEMEßL und Florian PARTL durften von allen Seiten Anerkennung für diese weiterbildende Veranstaltung entgegennehmen.

http://www.wienkav.at/kav/ows/kircheamsteinhof

Fotos