Logo Vorarlberger.net



Rundgang am Zentralfriedhof 2003

Unter dem Motto "Verkauft's mein G'wand, i fahr in Himmel" luden die Vorarlberger in Wien zum Auftakt der Frühlingsveranstaltungen am 06. Mai 2003 in die Stadt der Toten. Vom Hauptportal (1905 von Hegele) ausgehend wurden etwa 40 Interessierte in drei Gruppen durch die Parkanlage vorbei an einer Aufbahrungshalle und an Familiengräbern geführt. Stationen waren das berührende Grab für die Opfer des Ringtheaterbrandes und eine Galerie von Ehrengräbern der Berühmten. Von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert über legendäre Mitglieder der Familie Strauß, Johannes Brahms, Arnold Schönberg, Robert Stolz und Hans Moser bis zu Curd Jürgens und Helmut Qualtinger, wobei manche aus aufgelassenen Friedhöfen hierher übertragen wurden. So manche namhafte Fabrikantenfamilie, Geadelte und Politiker finden ebenfalls hier ihre letzte Ruhe. Über den Platz mit der Gruft der Bundespräsidenten der Zweiten Republik führt unser Weg direkt zu einem der wichtigsten Jugendstilgebäude Wiens: Der Kuppelkirche als Zentralbau in sezessionistischem Stil aus dem Jahre 1911, entworfen von Max Hegele. Diese soeben von Grund auf renovierte römisch-katholische Kirche wurde zu Ehren des in ihr beigesetzten Bürgermeisters Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche genannt. Über den Zentralfriedhof: Dieser ist nach vielen Erweiterungsmaßnahmen mit 2,4 Million Quadratmeter die größte Nekropole Wiens und eine der größten sowie kulturhistorisch bedeutendsten Europas. 

Auf dem 1874 geweihten Hain, der nach und nach auch beliebtes Ausflugsziel wurde, ruhen rund 3 Millionen Tote. Bis zu 30 Mal am Tag läuten die Glocken eine Beerdigung ein. Eigene Abteilungen finden sich unter anderen für mehr als 500 Ehrengräber, Grüften, Familiengräber, Arme, Kinder, Kriegsopfer oder Menschen, die ihre sterbliche Hülle der Wissenschaft vermachten. Auf dem Gelände des interkonfessionellen Friedhofs finden sich israelitische Abteilungen mit zahlreichen Manifestationen jüdischer Kultur der Jahrhundertwende ebenso wie evangelische, russisch- und serbisch-orthodoxe, koptische bis hin zu islamischen Grabstätten. Über 500 Mitarbeiter, von Sargträgern über Totengräber bis hin zu Priestern, sind auf dem heute unter der Obhut der Wiener Magistratsabteilung 43 stehenden Areal bei Armenbegräbnissen oder bei der Bestattung von Kaiserin Zita im Dienst. "Der Standesunterschied wird gewahrt und eine schöne Leich kriegt nur der, der auch im Leben etwas dargestellt hat. Wer dem Burgtheater oder der Staatsoper angehörte, wird mit dem goldenen Bahrtuch zum Grab gefahren, wer bloß beim Volkstheater oder der Volksoper im Ensemble gespielt hat, fährt im unbedeckten Sarg, selbst wenn er der bessere Schauspieler gewesen ist" desillusioniert Bayern2Radio auf www.br-online.de. Es ist nur eine Frage des Preises. Wien bleibt Wien, besonders am Zentralfriedhof. 

Weitere Informationen finden sich unter: 


Bücher zum Thema von H. Havelka ("Der Zentralfriedhof", 1985) sowie Wien-Reiseführer. (gh)

Fotos